Im Unterschied zu anderen Theologen der Reformation waren für Luther Körper und Sexualität Teil der menschlichen Natur. Luthers positive Einstellung zum menschlichen Körper und sein Glaube an die Einheit von Körper und Geist ist ein Ausgangspunkt der Arbeit „Geistesblitz“. Der Akt befindet sich im unteren hellen Bildraum, da alle vom Licht angestrahlten Körper sichtbar sind, und der menschliche Körper nicht versteckt, sondern dessen Schönheit offenbart werden sollen. Der dunklere obere Bildraum stellt den Geist dar, der im verborgenen Körperinneren nur durch die schwarze Pupille eine Schnittstelle nach Außen erhält, durch die - als natürliche Öffnung - Licht in das Innere des Auges fällt, der Mensch sehen kann, und sein Inneres, sein Geist berührt werden können. Auch die Grenze von heller und dunkler Bildfläche liegt in der Höhe des gebeugten Hinterkopfes, in der ungefähren Position der Augen, wodurch auch ein harmonisches Verhältnis von Hell und Dunkel, im übertragenen Sinne von Körper und Geist entsteht. Ein weiterer Ausgangspunkt ist die der Ausstellung zu Grunde liegende Thematik des Blitzes. Sie stellt den Moment dar, in dem Luther gelobte, Mönch zu werden, wenn er das Unwetter überlebt und der Blitz daraufhin neben ihm einschlug. Durch die Verbindung der beiden Themen trifft der dargestellte Blitz den Akt nicht, fließt jedoch durch den dunklen Bildbereich, durch den verborgenen Geist des menschlichen Körpers.

Im Jahr 2016 hält Eva eine andere Art „Apfel“ in ihrer Hand. Adam ist größer, man sieht seine Behaarung sowie Narben am Körper. Und auch bei Eva vergeht die Zeit nicht ohne Spuren. Emanzipiert, ihre Haare in einem wilden kurzen Zopf, hält sie jetzt für sich und Adam den schützenden Ast hoch. Beide sind längst der Versuchung erlegen und definitiv abhängig von etwas, was das Denken übernimmt. Unter dem Stichwort „geistige Revolution“ -  das klar in Verbindung zum Reformationsjahr und Martin Luther steht – wird die Entwicklung des Menschen reflektiert, der gegenwärtig ein allwissendes Medium ständig bei sich trägt, welches nicht nur das Leben Luthers und alle Informationen zu Person, Zeit oder der Luther-Bibel selbst in Sekunden griffbereit präsentiert. Albrecht Dürer, Luthers Zeitgenosse und Befürworter der Reformation, malte 1507 „Adam und Eva“, auf welches sich diese Arbeit nicht nur im Bildtitel bezieht – Pose, Bildausschnitt und Komposition sowie Attribute sind übernommen oder den zeitlichen Veränderungen angepasst. Die Folgen der geistigen Revolution gingen über die industrielle Revolution irgendwann zur Umweltverschmutzung über, auf die das Kaugummipapier vor Adams Füßen verweist, auf dessen Inhalt Adam wahrscheinlich gerade unbesorgt herumkaut. Die Natur, ausgebeutet und zurechtgeformt, wird, soweit es geht, in Grenzen gesetzt, die für die Menschen und „seine“ Natur allgemein unbedenklich sind. Doch denken wir mehr! Denken wir anders? Oder googeln wir eher als wir denken?!

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